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Au Pair und manche Gastfamilien

Sklavendasein - statt Kultur und Deutschlernens

Der Fall ging unlängst durch die ganze Presse und erregte ein zweites Mal wegen des Prozesses vor dem Amtsgericht Ansbach Aufsehen.
Am 16. Dezember 2002 nahm Ramona Radulovicis, ein 21-jähriges Aupair-Mädchen aus Rumänien, einen Strick, stieg in den Keller und erhängte sich, anscheinend der einzige Ausweg aus der Ausbeutung.

Aupair-Lohn

Sie war im Haushalt des Ehepaars H. im fränkischen 7000-Seelen-Städtchen Herrieden beschäftigt gewesen und hatte dort an jedem Tag 14 Stunden arbeiten müssen, und dabei oft sieben Tage die Woche. Stundenlohn: 40 Cent. Ein Sklavendasein.

War die Dame des Hauses unzufrieden - es ist ein nettes Einfamilienhaus vorhanden - so gab´s obendrein noch Prügel.
In mindestens in vier Fällen wurde das Aupair von der siebenunddreißigjährigen "Gastmutter" traktiert, wobei sie das Au Pair einmal mit kochendem Wasser übergossen haben soll, nachdem sich eines ihrer Kinder an einem Bügeleisen die Finger verbrannt hatte.

Wäre diese Tragödie verhinderbar gewesen? Vermutlich ja. Wie so manche Familien hatte auch die Familie H. ihr Au Pair Mädchen aus dem Internet, eine Folge des Wegfalls der ursprünglichen Kontrolle durch die Landesarbeitsämter.
Mangels einer etablierten Agentur hatte das Aupair somit niemanden, an es sie sich in seiner Not hätte wenden können und der seine Interessen vertreten hätte.

Aupair Beschäftigung zu "ungünstigen Arbeitsbedingungen" ...

Eine Beteiligung der Angeschuldigten an dem Tod des Mädchens konnte übrigens nicht nachgewiesen werden, so daß die Anklage auf Körperverletzung, Verstoß gegen das Ausländergesetz und Beschäftigung von Ausländern zu "ungünstigen Arbeitsbedingungen" lautete.
Die Eheleute zeigten bisher auch keinerlei Unrechtsbewusstsein. Kurz nach Ramonas Tod, während die Ermittlungen schon liefen, holten sie eine Polin in ihren Haushalt. Die blieb dann gerade eine Woche ...

Aupair-Agenturen ohne Genehmigung

Im März 2002 "liberalisierte" die rot-grüne Koalitition die Vermittlung von ausländischen Familienhelferinnen, ausgerechnet in diesem doch so hochsensiblen Bereich.
Seither ist für die Vermittlung keine Lizenz der Bundesagentur für Arbeit mehr erforderlich. "Liber" heißt auf Latein "frei". Damit wurden auch die Aupairs vielfach von möglichem Schutz "befreit".

Während einst in Deutschland 100 bis 150 Agenturen effektiv vermittelt hatten, kennt heute niemand mehr die Zahlen. Vermutlich sind mittlerweile um die 1500 oder 2000 Vermittler tätig. Doch verpflichtende Kontrollen existieren keine mehr.

Etwa 28.000 Aupairs, überwiegende aus Osteuropa, arbeiten jedes Jahr in Deutschland, nach Schätzungen vielleicht noch einmal so viele mit abgelaufenem Visum und somit illegal.
Auch Ramonas Visum war abgelaufen. Ihr Bruder Rudolf berichtet, daß die Schwester vor der Abfahrt nach Deutschland versprochen habe, von ihrem Geld jeden Monat etwas nach Hause zu schicken. Seine Mutter bekomme eine Pension von 75 Euro, während er selbst im Monat 150 Euro verdiene.

Siehe auch Auslandsagenturen.

Seriöse Au Pair Vermittler

Au Pair Mädchen und Gastfamilien, die seriöse Vermittlungsagenturen suchen, finden alle Adressen in der Au-Pair-Box.

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