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Als Aupair in Maryland, USA
Überall Bonbons und laufender Fernseher
Andere Länder, ander Sitten
Vor einem Jahr hat Nicola Hausmann ihr Abitur in Leipzig abgelegt. Zurzeit lebt sie in den Vereinigten Staaten, in Maryland, in einem Ort an der Ostküste. Über ihr Au-pair-Jahr berichtet sie:
Durch Hurrican „Isabell“ mit einem Tag Verspätung, lerne ich endlich meine Gastfamilie kennen. Sie setzt sich aus Gastmutter Wendy, Judy (8 Jahre), Nick (5), James (3) zusammen und bewohnt ein Haus mit einem großen Garten am Stadtrand von Laurel/Maryland.
Mit drei Autos und drei Badezimmern liegt es noch unter dem amerikanischen Durchschnitt. Spitz „Buckie“ ist bei meiner Ankunft ganz aus dem Häuschen und bekommt, 14-jährig, fast eine Herzattacke. Die beiden Jungen wollen mir meine Riesenkoffer die Treppe hinauf schleppen, Natalie Judy mir mein Zimmer mit dem „hochherrschaftlich“ zu nennenden Bett und flüstert mir zu, dass ihr Vater seit Frühjahr „im Himmel“ sei.
Aber über diesen traurigen Aspekt hatte mir schon meine Vorgängerin, Caro aus Stuttgart, übers Telefon berichtet. Während sich die meisten Au Pairs mit drei bis zehn Tagen zufrieden geben müssen, weist mich Caro noch ganze drei Wochen in meine Pflichten ein.
Amerikanischer Führerschein - Prüfung auf dem Parktplatz
Dass diese Eigenart meiner Gastmutter seinen Sinn hat, erfahre ich später am eigenen Leib, denn die Organisation der wichtigen, noch zu erledigenden Dinge, wie Eröffnen meines Bankkontos, Beantragen einer Sozialversicherungsnummer und natürlich der lang erwartete Erhalt des amerikanischen Führerscheines, nimmt diese Zeit in Anspruch. Wobei Letzteres eigentlich nur als Souvenir zu betrachten ist: Unter der Theorieprüfung versteht man hierzulande einen aus 20 Fragen bestehenden Computertest, zu dessen Vorbereitung ein dünnes DIN A 6-Heft dient. Die Praxisprüfung wird auf einem kleinen Parkur abgehalten. Man muss einmal einparken, wenden und zweimal ein Stoppschild beachten. Das Ganze dauert zirka fünf Minuten.
Den ganzen Tag lang Süßigkeiten
Das Erste, was mir in den ersten Tagen in meiner neuen häuslichen Umgebung ins Auge fällt, sind die Unmengen von selbstgebackenen und gekauften Süßigkeiten, sogenannten „candies“, die „meine“ Kinder im Laufe eines Tages verdrücken.
Keine Disziplin - Laissez-faire
Aber von der so genannten Ordnung, wie man sie von zu Hause kennt, wird in der amerikanischen Kindererziehung sowieso nicht viel gehalten: Gemeinsame Mahlzeiten, ein Mittagsschlaf oder festgelegte Schlafenszeiten existieren nicht. Nicht selten treffe ich, komme ich in der Woche gegen 22 Uhr nach Hause, noch alle drei Kids quietschvergnügt vorm sowieso den ganzen Tag laufenden Fernseher sitzend an! Am nächsten Morgen ist dann natürlich wieder keiner aus dem Bett zu bekommen. Aber natürlich bietet der Alltag mit den Kindern, hat man sich einmal über anfängliche Schwierigkeiten hinweggesetzt und einige Regeln eingeführt, viel Spaß. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, die Jungen den lieben langen Tag in ihrer Muttersprache zu verbessern. Und um wie vieles glücklicher ist man erst, wenn man nach zwei Tagen verzweifelter Suche endlich die Ursache des imaginären Gestankes in seinem Zimmer – eine versteckte nasse Windel – erspäht hat und beseitigen kann!
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